max elhardt - diplomkünstler
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22. Oktober 2021

Per E-Mail:

Lieber Max,
für Deine Ausstellung "Die Zukunft der Arbeit - ein Gesellschaftsspiel" hast Du unter anderem auch mich gebeten, zu zwei Kernfragen (und diesen Kernfragen untergeordnete weitere Fragestellungen) meinen Standpunkt zu äußern:

Was ist Arbeit?
### Als Arbeit verstehe ich alles, was durch die Menschen willentlich vollbracht wird. Arbeit bezeichnet in diesem Sinne das "Kultivieren" der Natur sowie die verfeinerte Kultivierung bereits kultivierter Natur, unabhängig davon, ob diese Tätigkeiten von anderen Menschen oder einer Gemeinschaft honoriert werden.

Ist, wie die Vollbeschäftigung in der alten DDR, auch die Behauptung eines Rückganges der Arbeitslosenzahlen unter den gegenwärtigen Prämissen überhaupt als möglich einzustufen?
### Aus meiner Sicht ist dies natürlich möglich, da es nach meiner Definition ja mehr als genug Arbeit gibt.

Ein anderer sozialistischer Terminus, das "Recht auf Arbeit", kann mit der "Unantastbarkeit der Würde des Menschen" in Verbindung gebracht werden. Glauben Sie, dass es als ein Grundbedürfnis des Menschen gelten kann, sich zu betätigen, zu arbeiten?
### Da die Menschheit über die Kultivierung der Natur zu Sprache, Erkenntnisfähigkeit, Philosophie und höheren Gemeinschaftsordnungen gefunden hat, denke ich dass ein Grundbedürfnis der Menschen tatsächlich darin liegt, sich zu betätigen.

Was ist Arbeitslosigkeit?
### Zunächst will ich den Begriff "Arbeitslosigkeit" durch "Erwerbslosigkeit" ersetzen, um hier deutlich zu machen, dass Arbeit und Arbeitslosigkeit begrifflich wenig miteinander zu tun haben.
Als Erwerbslosigkeit bezeichne ich den Zustand, in dem die Ausübung der Qualifikation eines Menschen von der Gesellschaft, in deren Wirkungsbereich er lebt, nicht mehr als in dem Maß honorierenswert angesehen wird, das der Ausübende verlangt. Diese Betrachtungsweise erkennt den Wert der Arbeit als zentrales Maß für den Austausch von Qualifikationen in einer Gesellschaft.

Gehören zur Gruppe der Arbeitslosen auch Hausfrauen, Kinder, Rentner, speziell auch die ostdeutschen verheirateten Frauen, die offensichtlich nach dem ALG II ab Anfang nächsten Jahres in großer Zahl nicht mehr bezugsberechtigt sein werden?
### Diese Frage zielt inhaltlich auf die verfallende Bezugsberechtigung ab. Aus diesem Blickwinkel spielt der Begriff der "Arbeitslosigkeit" keine Rolle, da es hier nur um das Problem der "Bezugsberechtigung" geht. Ob diese Personen weiter bezugsberechtigt sein sollten, kann ich in auf die Schnelle nicht beantworten.

Ist es Ihrer Meinung nach korrekt, dass der Komplex der Arbeit (und Arbeitslosigkeit) offensichtlich fast ausschließlich auf rein ökonomischer Ebene diskutiert wird?
### Nein.

Müßiggang ist aller Laster Anfang. Ist dieser Spruch unserer Altvordern noch aufrecht zu erhalten, oder muss unter den gegenwärtigen Bedingungen auch neu über den Begriff "Müßiggang" und davon ausgehend über "Tätigkeit" nachgedacht werden?
### Ja. Das wertvollste Gut des einzelnen Menschen ist Zeit. "Müßiggang" bedeutet für mich Nichtstun im Sinne von nicht-konstruktiv verbrachter Zeit, "Tätigkeit" somit konstruktiv verbrachte Zeit, also auch Erkenntnisgewinn und Lernen. Insofern ist "Müßiggang" tatsächlich aller Laster Anfang.

Abschließend möchte ich noch folgende Zusammenfassung formulieren:

In einer pulsierenden, lebendigen Gesellschaft müssen alle anfallenden Aufgaben zum Erhalt und zur Weiterentwicklung derselben verteilt und auch wahrgenommen werden. Im günstigsten Fall sind diese Aufgaben ein Teil unserer Marktwirtschaft und dienen somit dem "Broterwerb".

In vielen Fällen ist dies aber eben gerade nicht der Fall, was die politische Instanz einer Gesellschaft durch Subventionen auszugleichen versucht. Diese Subventionen sollen genau den Personen Broterwerb garantieren, deren Aufgaben an der Gesellschaft von der Gesellschaft selbst nicht direkt honoriert werden, und die durch den Zeitaufwand keine anderen Tätigkeiten zum Broterwerb ausführen können.

Subventionen fehlt allerdings eine wirklich wichtige Eigenschaft, die für die Weiterentwicklung einer Gesellschaft notwendig ist:

Die Ausprägung von Achtung gegenüber der subventionierten Tätigkeit und infolge dieser Achtung die anerkennende Eingliederung der Tätigkeit in den marktwirtschaftlichen Kreislauf einer Gesellschaft.

Durch die Globalisierung dehnt sich diese Wertschätzung auf die gesamte Welt als Anbieter von Erzeugnissen durch Arbeit und Wissen aus.
Das bedeutet, dass wir
  1. sensibler für den Ausdruck von "geldlosen" Respektformen werden müssen, da Kapital keinen regionalen Faktor mehr darstellt, sondern global operiert, während Gefühl immer noch persönlich ausgetauscht wird
  2. im Rahmen des globalen Wettbewerbs unsere Qualifikationen steigern müssen, damit die geleistete Arbeit bei gleichbleibendem Preis nicht wirtschaftlich unattraktiv wird
  3. die Achtung für den kulturellen Wert eines Landstrichs nicht verloren gehen darf, denn letztlich sind aus globaler Sicht die Werte einer Gesellschaftsregion: Wetter und Landschaft, Wissen und Gemeinschaft - Natur und Kultur.
Daran sollten wir arbeiten. Gemeinsam.




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Max Elhardt

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