max elhardt - diplomkünstler
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22. Oktober 2021

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Antwort auf die Fragen zur Ausstellung "Die Zukunft Der Arbeit"

1. Was ist Arbeit?

Lieber Max, die Frage nach dem "Wesen der Arbeit" lässt sich in sehr unterschiedlicher Weise beantworten. Trennt man nicht zwischen a) "Arbeit" als einem mehr oder weniger scharf umrissenen Begriff mit historischer Entwicklungsgeschichte und b) dem, was "Arbeit" in einem zeitgemäßen Sinn eigentlich ist, sein könnte, sein müsste, wird man dem Thema zwangsläufig nur einseitig gerecht, denn "Arbeit" ist beides. Deshalb fange ich mit einer - zugegeben nicht wissenschaftlich fundierten aber für mich plausiblen - Geschichte der Arbeit an...

zu a) (M)eine kleine Geschichte der Arbeit:

Den Begriff der "Arbeit" gibt es zu Beginn der Menschheitsgeschichte nicht. Denn er ist untrennbar mit der Gesamtheit religiös/kultischen (Er-)Lebens verwoben. Der "Urmensch" bewegt sich permanent in einer von ihm als "magisch" erlebten Welt, in welcher die Sicherung des Lebensunterhalts, Krieg, Fortpflanzung, Kultur, Gottesdienst, Feste und alle anderen Tätigkeiten des Lebens gleichrangig unter dem Begriff der "Arbeit" als der einzig möglichen und "göttergemäßen" Form des (Über-)Lebens subsumiert werden können. Arbeit als isolierte Beschreibung einer speziellen menschlichen Tätigkeit ist nicht denkbar weil unsinnig. Es gibt keine Arbeit, wenn alles Arbeit ist.

Mit der Zeit beginnt der Mensch - vielleicht aus einer Entwicklungsnotwendigkeit heraus - die stärker aktiven Teile seines Tätigwerdens auf bestimmte Zeiträume bzw. Aspekte zu konzentrieren, wodurch notwendig andere Phasen entstehen, in denen er sich weniger aktiv überwiegend von den "Früchten seiner Arbeit" ernähren kann (der Wandel vom "Jäger und Sammler" zu Sesshaftigkeit und Landwirtschaft sei hier als Beispiel genannt). Der Mensch erarbeitet sich eine wachsende Freiheit, sowohl gegenüber seinen in der Natur wirkenden Göttern, Dämonen, und Naturgewalten, als auch im Sinne eines Schaffens von Freiräumen für die weitere Ausgestaltung "nützlicher" und kulturschaffender Errungenschaften (von denen vor Witterung schützende Bauten und die dadurch erst mögliche Vorratshaltung in gewisser Weise ein Anfang sind). Dadurch kommt es zwangsläufig zu einer "Zer-Gliederung" zwischen den ursprünglich vereinten Aspekten menschlichen Seins, wodurch im Laufe der Entwicklung der Bezug zur "Welt" als einem ganzheitlichen und "natürlich-heiligen Organismus" auf der einen Seite, zur eigenen Tätigkeit als einer kontinuierlichen Notwendigkeit andererseits, immer mehr verblasst. Es entstehen im Bewusstsein des Menschen zunehmend "Inseln", in denen er sich als ungebunden, als "außenstehend", als "frei" erlebt. Mit dem Erleben dieser "geistigen Freiheit" (und "Freizeit") ist der Begriff der "Arbeit" als ihrem Gegenstück geboren. Dieser Prozess ist - wie bereits angedeutet - zugleich die "Wiege der Kultur" wie er ihren Niedergang beinhaltet. Die Kultur entsteht auf Grund und auf Kosten der Arbeit. Somit ist es kein Wunder, dass die Kultur in ihrem Verlauf immer fragwürdigere Formen der Arbeit entstehen lässt.

Deutlich wird dies etwa am Beispiel der Sklaverei und Leibeigenschaft, wie sie in alten Tagen z.B. in Ägypten, später in Griechenland und bis zum Beginn der Neuzeit (und darüber hinaus) in Europa und der Neuen Welt herrschen. Die Trennungslinie zwischen Arbeit und Freiheit/Freizeit verläuft nicht mehr innerhalb der Person, sondern zwischen Personengruppen. Der Mensch (auf beiden Seiten der Linie) ist dem Urbild der Arbeit endgültig entfremdet. Dieser Zustand hält über viele Jahrtausende an, um dann in noch tiefere Niederungen hinabzusteigen.

Denn kaum weniger grausam aber mindestens ebenso grotesk stellt sich die Sachlage in der sich anschließenden "Moderne" dar: Der scheinbar durch die Lohnarbeit der Industriellen Revolution von der Leibeigenschaft befreite Mensch unterwirft sich als "Schmied seines Glückes" statt einem personifizierten "Herren" der Herrschaft des Tauschmittels "Geld", welches nun allein sein Überleben sichern muss und kann. Er verkauft seine Zeit, Kraft, sein Glück, sein Leben an den "Herrscher des Geldes" (?der Arbeitgeber!). Der Götze "Mammon" schwingt sich zum Herrscher der Epoche empor und herrscht über "Neureiche" wie "Ausgebeutete" gleichermaßen. Die vorher offensichtliche Ungerechtigkeit verwandelt sich in die weniger offensichtliche Ungerechtigkeit des marktwirtschaftlichen Prinzips, der Gier. Die so in zuvor nicht gekannte Höhen aufsteigende "Allmachtsposition" des Geldes führt zu einem schleichenden Verlust menschlich/göttlicher Werte, wie sich dies in den Sätzen "money makes the world go round" bzw. "anything goes" oder "ich bin so frei..." niederschlägt.

Es wird immer unwesentlicher, ob der Mensch als Arbeitnehmer, Selbständiger oder Arbeitgeber auftritt: es ist das Geld und seine Gesetze, welche die Welt des Menschen regieren. Gott ist tot - und der Mensch...?

zu b) Was ist eigentlich Arbeit oder was kann sie werden?

Arbeit ist im Grunde die erwachsene Form des kindlichen "Spiels" - nicht im Sinne von Albernheit - sondern im Sinne eines selbstvergessenen, zweckfreien, und doch vollkommen ernsten Tätigwerdens um der Tätigkeit selbst willen. Arbeit in dieser reinen Bedeutung findet sich fast ausschließlich beim Kind, welches sich damit die Welt vertraut macht. Es spielt nicht um etwas (anderes) zu erreichen, sondern um sich im Spiel und dabei die Welt in sich zu erleben. Echtes Spiel ist immer frei von Hintergedanken - gerade dadurch führt es zu vielfältigsten (Lern-)Erfahrungen. Arbeit in seinem gewordenen Sinn ist im Gegensatz dazu geradezu definiert durch die damit verbundenen Hintergedanken: Es geht eigentlich um Geld, Anerkennung, Karriere, Rente, Ansehen, etc. Arbeit ist in seiner Gewordenheit todkrankes Spiel.

Arbeit muss aber nicht krank sein. Arbeit kann gesund, kann "frei" sein. Frei von dem Wunsch der Gewinnmaximierung, frei vom Zwang für den Lebensunterhalt arbeiten zu müssen, frei von der Vorstellung, Arbeit sei das Gegenteil von Freiheit. Arbeit könnte ein Bedürfnis nach "in die Welt bringen" meiner individuellen Fähigkeiten und Ideen zum Wohle des (mich umfassenden!) GANZEN zum Ausdruck bringen. Arbeit könnte Tätigsein im Sinne einer globalen Gerechtigkeit sein, die nicht alles und jeden gleich (konsumfreudig und -fähig) machen will. Sklavenarbeit kann Menschenarbeit werden. Nicht um irgendein vorgegebenes Ziel zu erreichen, sondern weil dies die einzig menschenwürdige Form von Tätigkeit überhaupt ist. Nur so weit der Mensch für "den (Mit-)Menschen" tätig ist, darf er sich "Mensch" nennen. Wie "bestialisch" der Mensch ansonsten zu Werke geht benötigt keine Beschreibung. Ein Blick in eine aktuelle Zeitung genügt.

Wenn wir Menschen begriffen, dass wir die Gesetze der Gier abschütteln können wie die Erinnerung an einen bösen Traum - und wir dadurch - umgeben von unseren Geschwistern - in einer Welt der Freiheit erwachen würden, dann...?!


2. Meine Haltung zu "Vollbeschäftigung und Arbeitslosenzahlen":

ergibt sich aus den obigen Argumenten. Die skizzierte Diskussion um eine zu schaffende neue Qualität der Arbeit als die eigentliche Zukunft der Arbeit erübrigt die Diskussion um Vollbeschäftigung und Arbeitslosigkeit.

3. Das "Recht auf Arbeit"

kann sich sinnvoll nur aus und in der Befreiung der Arbeit realisieren.

4. "Arbeitslosigkeit": s.o. und unten

5. "Betroffene der Arbeitslosigkeit":


Die Grundhaltung zum Leben als zu einem umfassenden Geflecht von Prozessen, die immer im Werden begriffen sind und durch die unterschiedlichsten Formen von Arbeit lebendig gehalten werden müssen, hat keine Alters- oder Geschlechtsgrenzen. Jede nicht dem Menschen (Produzent wie Konsument/Nutznießer) in einem menschenwürdigen Sinne dienliche Arbeit bedeutet in Wirklichkeit noch viel schlimmeres als "Arbeitslosigkeit", nämlich Entmenschlichung.

6. "Lösung der Arbeitsfrage auf der Ebene der Ökonomie":

Unsere Vorstellung von vorrangig ökonomischem Wirtschaften als angeblich einzig vernünftiger Form des Wirtschaftens ist die Quelle der Arbeitslosigkeit (in beiden Bedeutungen), und nicht deren Lösung. Sie kann damit bestenfalls(!) Statistiken positiv beeinflussen.

7. Die Muße

(im Sinne nicht direkt zum Lebensunterhalt benötigter Zeit) kann vielleicht wirklich als "Wurzel" der Lasterhaftigkeit angesehen werden - markiert sie doch den Beginn menschlicher Freiheit (vgl. Antwort 1a). Nachdem heute die menschliche Freiheit in einem engeren Sinne fast vollständig "ausverkauft" und "aufgegeben" wurde, kann uns nur das erneute Erringen von Muße (durch Arbeit) auf einer höheren Ebene aus der Sklaverei des Toten-Spiels sinnloser, egoistischer "Arbeit" führen. In diesem Sinne wünsche ich Dir und uns viel Erfolg mit Deiner Ausstellung als Gelegenheit für eine intensive, gemeinsame Auseinandersetzung mit der
"Zukunft der Arbeit".

Rolf Elhardt
Sozialarbeit für soziale Arbeit




die Zukunft der Arbeit

Max Elhardt

die Antworten
Horst Köhler
Dr. Edmund Stoiber
Wolfgang Clement
Bundesagentur für Arbeit
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Dr. Ulrich Netzer
Dr. Jörg Bürmann
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Rolf Elhardt
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